Was versteht man unter Führung?

Führung, Leadership, Management – innerhalb wie außerhalb von Unternehmen sind diese Begriffe in aller Munde. Über deren genaue Bedeutung herrscht jedoch nicht selten Unklarheit: Was genau bedeutet es eigentlich, zu führen?

Und ist Management etwas Anderes? Was zeichnet eine gute Führungskraft aus? Freilich: Die Antworten auf diese Fragen füllen Regalmeter voller Fachbücher.

Das hält uns jedoch nicht davon ab, zu versuchen, die wesentlichen Aspekte rund um den Begriff „Führung“ hier einmal auf den Punkt zu bringen.

Führung: Versuch einer Definition

In seiner allgemeinsten Form bedeutet führen so etwas wie „etwas leiten“ oder „etwas beeinflussen“. Das können Menschen sein, es können aber auch Dinge – etwa Autos – oder Tiere sein.

Auch in Bezug auf Menschen in Unternehmen meinen wir mit Führung etwas in der Art. Knapp zusammenfassend könnte man vielleicht sagen: Führung (im Unternehmen) bedeutet, die Handlungen von Menschen derart zu leiten, dass sie einen vom Führenden erwünschten Zustand in der Zukunft hervorbringen.

Führung ist immer eine Tätigkeit, und es ist ein Prozess.

Zudem – auch wenn es unpopulär geworden ist, das so zu sagen – hat Führung immer auch mit Macht zu tun. Unter Macht ist die Fähigkeit zu verstehen, auf das Verhalten von Menschen und Zuständen einzuwirken – diese Macht ist im ersten Schritt eine Kompetenz; erst im zweiten Schritt ist sie etwas, das einem auch durch einen bestimmten Ort in einer Gemeinschaft zuteilwird.

Denn wir alle wissen: Die Position allein bringt gar nichts, wenn der, der sie innehat, nicht in der Lage ist, Menschen zu beeinflussen und strategisch zu denken und zu agieren. Darum ist Macht primär im Menschen und nicht in seiner Position zu suchen.

Andere Arten der Führung

Für gewöhnlich denken wir bei Führung daran, dass ein Chef bzw. ein Vorgesetzter seine Mitarbeiter leitet. Führung in diesem Sinne kann also bedeuten, dass man einzelne oder Gruppen von Menschen führt aus einer übergeordneten Position führt. Nicht immer liegt der Fall aber so.

Geteilte Führung

Eher ungewöhnlich erscheint zunächst die Idee einer geteilten Führung. Hier werden Entscheidungen nicht von einer Einzelperson, sondern von mehreren gemeinsam getroffen.

Das typische Beispiel ist die Kindererziehung: Die „Führung“ der Kinder obliegt typischerweise beiden Elternteilen zu gleichen Teilen. Auch in Unternehmen gibt es solche Konstellationen.

Geteilte Führung wird jedoch in den allermeisten Fällen am Ende des Tages ein Beispiel für laterale Führung sein: Denn auch unter den Gleichrangigen gibt es immer eine Aushandlung von Führungskompetenzen, von Macht.

Laterale Führung

Die Führung auf der lateralen Ebene behandelt insofern jede Machtverhandlung innerhalb von Gruppen gleichen Ranges, also beispielsweise Teams.

Auch dort wird es am Ende immer Personen geben, die sich mehr Gehör verschaffen als andere, die es schaffen, Allianzen zu bilden und andere für die eigene Position einzunehmen. Auch das ist eine Form der Führung!

Führung nach unten

Der Klassiker ist freilich die Führung nach unten: Ein Vorgesetzter leitet ein Team oder einen einzelnen Untergebenen an.

Leitung nach oben

Der umgekehrte Fall mutet auf Anhieb schon etwas seltsam an. „Wo kommen wir denn da hin“, denken Sie vielleicht, „wenn die Untergebenen die Chefs führen!“ Entsprechend wenig Beachtung hat dieser Aspekt in der Literatur zu Unternehmensführung gefunden.

In der Realität ist das aber gang und gäbe. Auch Mitarbeiter möchten natürlich, dass sich Dinge in eine bestimmte Richtung entwickeln – oder möchten bestimmte Dinge durchsetzen.

Die Fähigkeit, seine Vorgesetzten für die eigene Sicht der Dinge einzunehmen, ist eine Führungskompetenz. Schließlich wird auch hier beeinflusst, um einen bestimmten Zustand in der Zukunft zu erreichen.

De facto ist dies sogar eine wesentliche Kompetenz, die darauf vorbereitet, in der Zukunft auch leitenden Positionen im Unternehmen zu bekleiden.

Selbstführung

Zu guter Letzt sollte auch die Selbstführung nicht außer Acht gelassen werden. Zumeist wird dies unter Soft Skills wie „Selbstorganisation“ verbucht.

Das verschleiert ein wenig, dass es sich am Ende des Tages ebenso sehr wie bei den anderen genannten Fällen zu einem großen Teil um die Fähigkeit handelt, jemanden zu beeinflussen, um etwas Konkretes zu erreichen.

Der einzige Unterschied liegt darin, dass der entsprechende Jemand in dem Fall man selbst ist.

Was zeichnet eine Führungskraft aus?

Was eine Führungskraft auszeichnet, klang – jedenfalls in Teilen – bereits an. Wichtig ist die Fähigkeit, Menschen zu beeinflussen.

Dahinter verbirgt sich eine Vielzahl weiterer Kompetenzen. Denn wer beeinflussen will, muss unter anderem, aktiv zuhören können und Empathie besitzen, begeistern können, ziel- und lösungsorientiert denken können.

Zudem kann nur derjenige gut führen, der klare Vorstellung davon hat, was erreicht werden soll. Er braucht also eine „Vision“. Zugegeben: Das Wort wurde in den letzten Jahrzehnten arg überstrapaziert.

Gemeint ist damit aber wenig mehr, als dass einer Führungskraft klar vor Augen stehen muss, wohin die Reise gehen soll. Erst dann kann die Führung auch Mitarbeiter motivieren, ihre Energien auf dieses konkrete Ziel zu lenken.

Um das zu erreichen, braucht es freilich eine ganze Menge weiterer Skills, auf die wir hier nicht weiter eingehen können. Hier geht es uns vornehmlich darzulegen, was wir eigentlich überhaupt unter Führung zu verstehen haben und welche Facetten Führung haben kann.

Führung Personal

Führung vs. Management

Oft in einen Topf geworfen und doch nicht dasselbe: Das sind Führung und Management. Gerade der inflationäre Gebrauch des Wortes „Management“ hat dazu geführt, dass der Begriff immer weiter verwässert wurde. Auch die Abgrenzung zu „Führung“ wurde dadurch schwammiger.

Tatsächlich gibt es durchaus einen fundamentalen Unterschied zwischen beidem.

Führung bezieht sich ausschließlich auf die Fähigkeit, Menschen im Sinne eines Zieles zu beeinflussen.

Management hingegen bezieht sich nicht notwendigerweise (alleine) auf Menschen.

Vielmehr ist der Kern von Management die Optimierung von Prozessen und Strukturen. Freilich stehen hinter diesen Prozessen und Strukturen an vielen Stellen auch Menschen.

Dennoch ist die Kernaufgabe des Managers nicht auf die Beeinflussung dieser Menschen gerichtet, sondern darauf, auf einer abstrakteren Ebene Optimierungen zu bewirken.




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